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Die Historiker sollen sich mit der Vergangenheit befassen, die Politiker mit der Zukunft


Rat der Kärntner Slowenen / Narodni svet koroških Slovencev begrüßt Versachlichung der Debatte über neuere Kärntner Geschichte

Bekanntlich hat das Land Kärnten kürzlich eine Untersuchungskommission eingesetzt, um die Ereignisse der 70er Jahre, darunter die Sprengstoffattentate auf Partisanendenkmäler und Deutschkärntner Einrichtungen aufzuklären. Vorsitzender der Untersuchungskommission ist der Direktor des Landesarchivs, Wilhelm Wadl. Die wissenschaftliche Leitung soll Prof. Alfred Elste übernehmen. Als Zeitrahmen für die Untersuchungen wurde das Jahr 2012 genannt.

Der Rat der Kärntner Slowenen begrüßt jede Versachlichung der Geschichtsdebatte sowie die Tatsache, dass diese Themen von bekannten Kärntner Historikern aufgearbeitet werden sollen.

Gerade für Historiker ist es eine Selbstverständlichkeit, geschichtliche Ereignisse nicht isoliert zu betrachten, sondern auch ihre Entstehungsgeschichte und ihr Umfeld. Der Rat der Kärntner Slowenen / Narodni svet koroških Slovencev würde es demnach begrüßen, wenn es seitens der Genannten sowie anderer noch heranzuziehender Kärntner, eventuell internationaler Experten, slowenisch und deutschsprachiger, zu einer umfassenden Darstellung der Ereignisse, aber auch ihrer Vorgeschichte kommen würde. Man müsste der Vollständigkeit halber mit dem Jahr 1920, spätestens aber 1938 beginnen, als Österreich für sieben Jahre von der Landkarte ausgelöscht wurde und nicht nur die Südgrenze gefährdet war, sondern alle österreichischen Grenzen verschwunden sind und auch Österreich. Dies war eine Zeit, als zahlreiche Kärntner Slowenen in Konzentrations- und NS-Arbeitslager ausgesiedelt wurden. Bei den Staatsvertragsverhandlungen war Österreich stolz auf den organisierten Widerstand gegen Hitler, der in Kärnten mehrheitlich von Partisanen geleitet wurde, die damit einen bedeutenden Beitrag zur Beseitigung des NS-Regimes geleistet haben. Diese Beseitigung des NS – Regimes führte folglich zur Wiedererrichtung der Republik Österreich. Dies wurde von namhaften Kärntner Politikern, wie dem ersten Nachkriegspräsidenten des Kärntner Landtages, Jakob Sereinigg, anerkannt. Diese Periode und diese Tatsachen wären zu berücksichtigen, die Verschleppungen nach dem Krieg, die 50er Jahre, ferner die nach der Unterzeichnung des österreichischen Staatsvertrags von verschiedenen Heimatverbänden organisierten Schulstreiks und der in der Folge von LH Wedenig abgeschaffte obligatorische zweisprachige Unterricht, weiters der Ortstafelsturm, seine Drahtzieher und Hintergründe sowie die darauf folgenden Bombenattentate.

Eine umfassende, aber nicht notwendigerweise umfangreiche Darstellung der neueren Kärntner Geschichte, aufgearbeitet von Historikern, wird zu manchen schmerzlichen Erkenntnissen führen, sowohl auf deutschkärntner Seite, aber auch auf Seiten der Kärntner Slowenen. Dies wird jedoch einen heilenden, positiven und zukunftsorientierten Effekt haben.

Jedenfalls ist das Verstehen und Kennen der historischen Tatsachen wichtig für ein besseres Verständnis der Vergangenheit. Auch gegen ein Vergessen der Ereignisse soll gearbeitet werden. Die Zeit schreitet jedoch fort und jetzt, im 21. Jahrhundert ist die Zeit nicht nur reif für eine gemeinsame Betrachtung der Geschichte, sondern auch für einen gemeinsamen Ausblick in die Zukunft. Während für die Geschichte die Historiker zuständig sind, sollten die Politiker aus ihr lernen und sich der Zukunft widmen. Es sollte seitens der Politik auch zu keiner Instrumentalisierung der schmerzlichen Ereignisse der Vergangenheit kommen, sondern zu Gesten der Versöhnung. Ebenso darf es zu keinen voreiligen Schlüssen und Stellungnahmen, insbesondere aber zu keiner Vorverurteilung von Personen kommen, dafür sind staatliche Organe, wie Gerichte, Staatsanwaltschaft und der Verfassungsschutz zuständig. Außerdem gilt die Unschuldsvermutung. Es ist auch begrüßenswert, dass als Zeitrahmen für die Arbeit der Untersuchungskommission das Jahr 2012 festgelegt wurde und nicht ein zu knapper Termin.

Im Zusammenhang mit den Untersuchungen seien zwei Zitate erlaubt, die helfen sollten, an die zu bewältigenden Themen mit größerer Gelassenheit heranzugehen. Da wäre einmal Ingeborg Bachmann, die gemeint hat, dass die Wahrheit den Menschen zumutbar sei. Viel früher, vor 2000 Jahren hat Christus gemeint, dass uns die Wahrheit befreien werde. Und nur auf Grundlage der Wahrheit kann eine gerechte Gesellschaft aufgebaut werden, auch in Kärnten.

Auf diesen Grundlagen wird es zu einem gerechteren und besseren Kärnten kommen. Zu einem respektvolleren und toleranteren, in die Zukunft blickenden g e m e i n s a m e n Kärnten. Und daran wollen wir alle arbeiten. Wir sind dazu bereit.

Das ist die Verantwortung unserer Generation.

Valentin Inzko,
Obmann des Rates der Kärntner Slowenen / Predsednik Narodnega sveta koroških Slovencev

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